| Willigis-Urbau
Die Gestaltung des Mainzer Doms geht im Wesentlichen auf den
Entwurf von Erzbischof Willigis (975-1011) zurück. Nach seinem Amtsantritt
begann er den Bau der gewaltigen Kathedrale.
Der eng mit dem ottonischen Kaiserhaus verbundene Erzbischof hatte sich als einer
der ranghöchsten Würdenträger nach dem Papst und dem Kaiser Macht
und Einfluss erworben. Mit dem monumentalen Dombau unterstrich Willigis seine
protokollarische und politische Bedeutung in der Kirche und im Reich.
Der Mainzer Dom bringt dies architektonisch zum Ausdruck:
Entgegen der
üblichen Kirchengestaltung wurde der Hauptaltar nicht im Osten, sondern im
Westen aufgestellt. Diese bis heute unveränderte Ausrichtung entspricht der
Anordnung des Papstaltars im alten Petersdom in Rom. Der Anspruch der Heiligen
Stuhls von Mainz als ein Zweites Rom wurde dadurch ebenso unmissverständlich
demonstriert wie durch die gewaltigen Ausmaße der Kathedrale. Das
Gebäude war so groß, dass damals alle Christen der Stadt darin Platz
fanden. Zur
Gesamtanlage gehörte ein Atrium mit Eingangskirche im Osten (spätere
Liebfrauenkirche) für den Empfang des Kaisers. Säulenarkaden verbanden
diesen Vorbau mit dem Dom. Die Konzeption weist ebenfalls auf Sankt Peter in Rom
sowie auf die Aachener Pfalzkapelle Karls des Großen hin. Auch
die Bronzetüren des Mainzer Domportals finden ihr Vorbild in dem Aachener
Bau. Solche Bezüge sollten zusätzlich den Anspruch des Mainzer Erzbischofs
auf das Recht zur Kaiserkrönung betonen. Von
Anfang an war der Dom als dreischiffige Pfeilerbasilika mit zwei Chören konzipiert,
wobei der liturgische Schwerpunkt immer im Westen lag. Der Westchor mit dem Hochaltar
und die Vierung waren Bischof und hohem Klerus vorbehalten. Davor streckte sich
das dreischiffige Langhaus von 200 römischen Fuß Länge aus, ein
gleich langes Querhaus trennte die Gebäudeteile voneinander. Im Osten wurde
der Dom von einem Querbau (vielleicht mit Mittelturm) und zwei flankierenden Treppentürmen
abgeschlossen. Im
Westen war der Dom durch einen Verbindungsgang mit einer weiteren Kirche verbunden
(heute St. Johanniskirche). Diese war wahrscheinlich bis zum Bau des Willigis-Doms
die Hauptkirche des Mainzer Bischofs. Im Süden des Doms grenzte der Kreuzgang
an, im Norden lag die erzbischöfliche Residenz. Die
Grundgestalt des Willigis-Doms blieb bei allen späteren Erneuerungen maßgebend.
Willigis selbst erlebte die Verwirklichung seiner Bauidee nicht mehr. Am Tag der
Weihe (30. August 1009) oder am Vortag beschädigte ein Brand den Dom schwer.
|