Bauchronik Historismus
& Moderne Vom Wiederaufbau bis
heute 1803
- 1814 Der französische Präfekt Saint-André plant den
Abriss des beschädigten Doms. Die Innenausstattung wird zum größten
Teil verkauft oder vernichtet. 1813 verheizen französische Soldaten den größten
Teil der Holzausstattung. Lediglich das Chorgestühl kann gerettet werden. Nach
zähen Verhandlungen gibt die französische Regierung den Dom in kirchlichen
Besitz zurück. Unter Bischof Joseph Ludwig Colmar beginnen 1804 bescheidene
Wiederherstellungsarbeiten. Aus der zerstörten Liebfrauenkirche werden die
gotische Grablegungsgruppe (1495), das in Zinn gegossene Taufbecken (1328) und
die Bronzetore aus der Willigiszeit (um 1000) übernommen. Das Chorgitter
am Westchor wird entfernt. 1828 Im
Zuge der Wiederherstellungsarbeiten an dem stark beschädigten Dom erhält
der zentrale Ostturm als Abschluss eine eiförmige Kuppel in Eisenkonstruktion
durch den hessischen Hofbaumeister Georg Moller. (Die "Moller-Kuppel"
wird rund 40 Jahre später wieder abgebrochen.) 1856 Gründung
des Dombauvereins zur Finanzierung notweniger Renovierungsmaßnahmen (1879
aufgelöst). Der Verein fordert eine rigorose Neugestaltung des Innenraums.
Wichtigstes Ziel ist die Ausmalung der Gewölbe und Bogenfelder mit Fresken,
die 1859 beginnt. Die
Explosion des Mainzer Pulverturms zerstört 1857 die historischen Glasmalereien
der Domfenster. 1870 Wegen
Einsturzgefahr wird der zentrale Ostturm mit der "Moller-Kuppel" abgetragen.
Der neu aufgebaute Mittelturm sowie die Seitentürme erhalten bis 1879 von
Dombaumeister Peter Cuypers entworfene, neue Abschlüsse im neoromanischen
Stil. Der gotische
Mittelpfeiler unter dem östlichen Chorbogen im Innern des Doms wird abgebrochen
und der Chorraum neu gestaltet. Dabei entsteht die große Ostchortreppe und
die darunter liegende Krypta als zu niedrige Rekonstruktion der ursprünglichen
Krypta (um 1100). 1878 Abschluss
der Innenausmalung des Doms im Stil des Historismus. Erhalten blieb der Bilderzyklus
nach Entwürfen des Nazarener-Malers Philipp Veit mit Szenen aus dem Leben
Jesu in den oberen Blendbögen des Mittelschiffs. 1925 Das
Dom- und Diözesanmuseum wird in den ehemaligen Kapitelsälen und im Kreuzgang
eingerichtet. Die
Ausmalung der Gewölbe wird zugunsten eines modernen Farbkonzepts von Prof.
Paul Meyer-Speer entfernt. 1928 Abschluss
der umfassenden Sicherungsarbeiten am Dom (seit 1909). Der gesamte Dom bekommt
tragfähige Fundamente aus Beton. Die Maßnahmen wurden durch das Absinken
des Grundwassers und das Verfaulen der alten Fundamentpfähle notwendig. Unter
dem Westturm wird die Lullus-Krypta als neue Bischofsgruft angelegt. Dabei werden
Fragmente des ehemaligen Westlettners gefunden. An der Westseite des Doms wird
die alte "Paradiespforte" mit Skulpturen aus dem 13. Jahrhundert freigelegt.
1939 - 1945 Im
Zweiten Weltkrieg geraten die Domdächer des Langhauses und der Kreuzgang
in Folge der Luftangriffe vom 11./12. August 1942 in Brand. Weitere Teile des
Kreuzgangs und der Seitenkapellen werden am 8./9. September 1944 durch Sprengbomben
zerstört, die Gotthard-Kapelle wird stark beschädigt. 1975 Zur
1000-Jahr-Feier des Doms sind die umfassenden Wiederaufbau- und Renovierungsmaßnahmen
nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossen. Die Kathedrale erhält außen
einen einheitlichen, schützenden Anstrich in abgestuften Rottönen. Das
neue Bronzekreuz über dem Hauptaltar wird geweiht. 2000 Mit
der Renovierung der Nassauer Kapelle beginnt die umfassende Domrenovierung. |